Dr. Norbert Junkes

Radioastronomie - Von der Erde bis zu den Grenzen des Universums




In Radiowellen zeigt sich ein zunächst recht ungewohntes Bild des Universums. Während im sichtbaren Licht die Sterne dominieren - thermische Strahlung von heißen Gaskugeln mit Temperaturen von mehreren Tausend Grad - untersucht die Radioastronomie vorwiegend das Material zwischen den Sternen.

Dabei treten verschiedene Entstehungsmechanismen für die Radiostrahlung auf. Kontinuierliche Radiostrahlung wird erzeugt in thermischem Plasma in Sternentstehungsgebieten oder von beschleunigten Elektronen in Magnetfeldern (Synchrotronstrahlung von den Überresten gewaltiger Sternexplosionen). Dazu kommt Linienstrahlung einzelner Atome oder Moleküle, bei der man die Moleküle selbst anhand ihrer Wellenlänge identifizieren kann. Weiterhin können aber auch physikalische Daten wie Dichte und Temperatur der Molekülwolken aus der Linienstrahlung bestimmt werden.

Der Vortrag gibt, am Beispiel des 100-m-Radioteleskops in Effelsberg, einen Überblick über technische Eigenschaften eines Radioteleskops und seiner Empfänger, und über das durchgeführte Beobachtungsprogramm.

Die Beobachtungen reichen von großflächigen Kartierungen des gesamten Himmels und der galaktischen Ebene bis hin zu detaillierten Studien von Supernova-Überresten und Sternentstehungsgebieten, von der Beobachtung von schnell rotierenden Pulsaren mit hoher zeitlicher Auflösung bis zu den Kernen aktiver Radiogalaxien und Quasare bei höchstmöglicher Winkelauflösung.

Neben dem 100-m-Teleskop in der Eifel werden auch weitere Radioteleskope vorgestellt, z.B. APEX (Atacama Pathfinder Experiment), ein Submillimeter-Teleskop in 5000 m Höhe in den chilenischen Anden, vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie federführend betrieben, und das Niederfrequenzteleskop LOFAR mit der ersten internationalen Station in Effelsberg.

In der Radioastronomie wird auch die höchste Winkelauflösung überhaupt erreicht. Dazu werden Radioteleskope zu weltweiten Netzwerken zusammengeschaltet (VLBI - Very Long Baseline Interferometry) und ermöglichen Winkelauflösungen bis hinunter zu 20 Mikrobogensekunden (das entspricht zwei nebeneinanderliegende Handys in der Entfernung des Mondes!) Mit dieser Methode ist es möglich, den innersten Kernbereich von Quasaren in Milliarden von Lichtjahren Entfernung in Details von unter einem Lichtjahr Ausdehnung zu studieren. Auch die Kontinentalverschiebung auf der Erde kann mit Radioteleskopen des VLBI-Netzwerks direkt gemessen werden. Die Bandbreite der Radioastronomie reicht somit von der Erde selbst bis zu den Grenzen des Universums.



Biographische Angaben:
Dr. Norbert Junkes hat von 1979 bis 1986 an der Universität Bonn Physik und Astronomie studiert (Diplomarbeit 1986), und dann 1989 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) im Fach Astronomie zum Thema "Supernova-Überreste und ihre Wechselwirkung mit dem interstellaren Medium" promoviert. Nach wissenschaftlicher Tätigkeit in Australien (Australia Telescope National Facility, ATNF, Sydney), in Kiel (Institut für Theoretische Physik und Astrophysik) und in Potsdam (Astrophysikalisches Institut Potsdam, AIP) arbeitet er seit Februar 1998 am MPIfR im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.



Last modified on Thursday December 13th, 2007.
Norbert Junkes (njunkes@mpifr-bonn.mpg.de)